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Spitraining & 3 Länder Cup

Tag1:
Es ist Donnerstag 6.00h. Erster Blick aus dem Fenster, Regen und arschkalt. Am liebsten hätte ich mich wieder rumgedreht, aber man kann die Segelkameraden am See nicht hängen lassen. Also rein ins gepackte Auto und los. Dauerregen bis kurz nach Wangen im Allgäu, vor Lindau, überm Bodensee, wird es heller, und es hört auf zu regnen. In Gohren ist es noch sehr frisch aber trocken. Kurz vor zehn Uhr bin ich dann am Steg 6, links die Faible, rechts die JdA. Auf den Schiffen herrscht ein lebendiges Treiben zwischen Geschirrspülen und Morgentoilette. Die einen stehen mit ihrem Gepäck an der Tankstelle, die anderen brauchen noch einen Parkausweis für die Obstwiese, der zweite Toilettenausweis wird vermisst etc. Ihr kennt das ja alle.

Gegen 11h beginnt Uli Schmid mit der Einteilung der Bootsbesatzungen und führt anschließend in die Geheimnisse des Spinnakersegelns ein. Um 12.00h geht es mit Uli Schmid als Skipper und Winfried Mauz als Co-Skipper endlich los. Leider wird unsere Euphorie gleich wieder eingebremst. Draußen auf dem See bläst der Wind mit 4-5 Windstärken. Als Ersatzprogramm üben wir das Reffen des Großsegels. Erstes und zweites Reff und wieder zurück ins Erste. Bei der ersten, richtigen Krängung schwappt das Wasser unter den Bodenbrettern hervor. Also Schoten los und nachgeschaut. Das Schiff ist bis zu den Bodenbrettern randvoll mit Wasser. (Man sollte sich halt nicht auf die Aussage vom "Profi" verlassen, dass das Schiff ok wäre, sondern immer selber in die Bilge schauen, denn was gestern galt, muss heute schon nicht mehr zutreffen). Also zurück in den Hafen, um die Ursache finden. Wir schöpfen ca. 30-40 Liter Wasser aus dem Schiff, finden aber keine Ursache. Unklarheit bleibt, warum die Handlenzpumpe funktionsunfähig Ist. Die kleine elektrische Motorraumbilgenpumpe funktioniert zwar, ist aber an der falschen Stelle. Also mit Becher und Putzlappen das Boot gelenzt. Eine Stunde später geht es wieder raus auf den See. Mit Halbwindkurs kreuzen wir 2 Stunden bei 4 Windstärken vor Gohren und Langenargen, dann geht es zurück in den Hafen. Sämtliche "Experten" suchen die Ursache für den erneuten "Wassereinbruch". Gefunden wird direkt nichts, nur viel vermutet. Vielleicht war es der Wasserschlauch, der kleinen Motor-Lenzpumpe, welcher bei starker Kränkung unter dem Niveau der Wasserlinie verlief, und dann eventuell Wasser in Schiff gesaugt hatte. Hoffen wir mal, dass dies die tatsächliche Ursache war. Anschließend ging es dann zum Abendessen in der Fischerhütte.

Tag 2:
Um10:00h soll es losgehen, und wie immer aber dauert es länger, bis alles startklar ist. Dann legen wir endlich ab. Hurra, draußen auf dem See Spinnakerwetter um Windstärke 3. Spinnakers aus der Kajüte, Leinen angeschlagen und klarieren, Spinnaker im Bergeschlauch hochziehen, Bergeschlauch hoch, Spinnakerbaum, Toppnant und Niederholer eingehängt und mit gesetztem Spinnaker Richtung Lindau, Wir üben das Schiften, Spinnaker bergen und alle dazu gehörenden Manöver. Wir fahren den Spi fast bis auf Halbwindkurs und der Spinnakerbaum am Fockstag anliegt. Ganz nebenbei wurde der Wind immer schwächer, und wir auf der JdA liefern uns ein kleines vereinsinternes Rennen mit der Faible. Nach ein paar verunglückten Manövern unsererseits hat die Faible mit Heiner Rist und Karl Wurst uns aber weit hinter sich gelassen. Dann geht es zurück in den Hafen und zur Abpumpstation, damit es während der Regatta genug Platz im Tank hat. Beim anschließenden Regattahock bei den Ravensburgern gibt es Rote Würste, Steaks, Bier und das Wichtigste, die Segelanweisung. Diese wird gelesen und diskutiert. Die Faible muss wegen ihrer Yardstickzahl von 102 die große Runde segeln; Gohren Romanshorn, hinter den Rheindamm und zurück nach Gohren. Für die höhere Yardstickzahl 103 der JdA gilt die kleinere Runde. Da ist die letzte Wendemarke der Altenrhein. Regattastart ist Samstag um 8:00h. Samstag um 7:00h müssen unsere Schiffe klar zum Auslaufen sein. Das hindert uns aber nicht daran, noch zur " Zur schönen Aussicht" zu fahren und ein zweites Abendmahl einzunehmen. Es geht zeitig zurück, man munkelt aber, dass Karl wieder nicht in die Koje wollte.

Tag3:
Fast pünktlich starten wir um 7:10h. Raus aus dem Hafen und mit gesetztem Großsegel über die Startlinie. Dann heißt es warten. Der Startbereich füllt sich langsam mit Schiffen. Ca. 80 Yachten nehmen an der Regatta teil. Jede Besatzung verfolgt eine andere Taktik, um möglichst nahe an der Startlinie zu sein. Bei 0 bis einer Windstärke muss man darauf achten, dass einen die Rheinströmung nicht über die Startlinie treibt. In den letzten Minuten vor dem Start werden die Kommandos dann doch etwas lauter und widersprüchlicher. Knall, endlich geht es los und siehe da, die JdA ist eines der ersten Schiffe, das die Startlinie überquert. Welch ein Gefühl, einmal mehr Schiffe hinter uns als vor uns zu haben. Das ändert sich leider wieder viel zu früh. Es kommt etwas Wind auf, und die schnelleren Schiffe ziehen
davon. Wir segeln ziemlich genau unseren Kurs von 270 Grad und kommen mit bis zu 3 kn bis auf eine Seemeile an die erste Wendemarke vor Romanshorn heran. Dann stecken wir in der üblichen Mittagsflaute fest. Schiffe, die einen etwas nördlicheren Kurs gefahren sind, haben jetzt einen Vorteil, denn sie können mit dem Spinnaker zur Wendemarke segeln. Nach einer Stunde "Am Wind Kurs" lassen wir die Wendemarke auf Backbord liegen. Die Faible ist schon mit gesetztem Spinnaker auf Gegenkurs an uns vorbei gezogen. Das Kontrollboot ruft uns "Bahnverkürzung" zu, welch ein Glück bei diesen Windbedingungen. Mit und dann wieder ohne gesetztem Spinnaker, wir versuchen alles, aber es geht nichts voran. Mit 0 bis 1 Knoten, viel Ausdauer und positiver Einstellung erreichen wir nach 7 Stunden 41 Minuten und 42 Sekunden die Ziellinie.
Nach der Auswertung sind wir in unserer Yardstickklasse von 14 gestarteten Yachten das 8 Boot, dass das Ziel erreicht, nur 10 kommen insgesamt in unserer Klasse an. Die Faible erreicht zwar fast eine Stunde vor uns das Ziel, liegt aber auf dem letzten Rang ihrer Yardstickklasse. Nächstes Jahr wird alles noch besser, und ich bin wieder mit dabei.

Wolfgang Augustin

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